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Bastille -- Things we lost in the fire


Heute möchte ich über ein Thema schreiben, dass mir lichterloh auf dem Herzen brennt. Bislang habe ich darüber nichts verlauten lassen, aber da ich nur meinen Mann habe mit dem ich darüber reden kann und ich nicht ewig mit dem gleichen Thema anfangen will, v.a. weil er jetzt sehr viele andere wichtige Dinge erledigen muss, möchte ich nun doch hier meine Gedanken dazu platzieren.

Schwangerschaft ist ja bekanntlich eine Berg- und Talfahrt der Gefühle und Emotionen. Allein das würde doch reichen könnte man meinen. Aber bei mir ist es leider etwas extremer und ich litt die ein oder andere Stunde, den ein oder anderne Tag oder auch die ein oder andere Woche sehr darunter, dass die Hormone mich im Griff hatten. Sie hatten Unterstützung von meiner Hochsensibilität. Das ist keine Krankheit, aber es ist durchaus etwas, was nicht so funktioniert, wie es sollte: es fehlen mir Filter.

Über Jahrzehnte hinweg wusste ich nicht, was mit mir ist. Ich war immer irgendwie anders und ich habe eine Erklärung gesucht, seit ich in der Pubertät bin. Mit vielen psychischen Störung habe ich mich auseinander gesetzt, habe "geprüft", ob es das sein könnte. Selbst ein guter Bekannter versucht mir noch heute ins Gewissen zu reden, dass ich psychisch nicht ganz klar bin. Aber letztlich ergibt nun alles einen Sinn mit der Hochsensibilität.

Mein Mann hat das rausgefunden. Wann er mir das das erste Mal gesagt hat, daran erinnere ich mich gar nicht mehr, aber ich weiß, dass er oft, wenn er mich weinend im Arm hielt, zu mir sagte: "Ich weiß, dass du sehr sensibel bist, viel mehr als andere, darum...". Damals dachte ich noch, das ist so ein Beziehungsdings, um die Partnerin zu beruhigen. Ich wusste nichts davon, dass es HSP wirklich gibt und habe nun auch über vermutlich Jahre nicht verstanden, was er schon lange wusste.

Vor ein paar Monaten, da war ich schon schwanger, kam mir das erstmals in den Sinn, weil mir meine Freundin davon erzählte, dass sie ihre Tochter hatte testen lassen und sie endlich wüssten, was da eigentlich los ist - und sie selbst wurde gleich mitgetestet, ebenfalls positiv. Das habe ich auch schnell wieder vergessen, bis es mir irgendwann in den Kopf kam, als es einen Vorfall bei eben dieser Tochter gab. Plötzlich fragte ich mich an einem Morgen bei der Arbeit, ob das auf mich zutreffen könnte. Dann las ich einiges, häufig mit dem Gefühl des Ertapptseins. Manches passt auch gar nicht, aber in sich ist es wirklich sehr schlüssig.

Als ich meinem Mann davon erzählte, war das als hätte ich gerade gesagt, dass ich den Müll rausgestellt habe. Nach meiner Frage, ob er mich nun nicht für verrückt halte oder sowas, schaute er mich verwirrt an und meinte: "Das weiß ich doch, das habe ich dir doch schon oft gesagt.". Nochmals fing ich an, dass das also tatsächlich etwas in mir ist, wofür ich teilweise gar nichts kann, weil eben bestimmte Filter fehlen. Er empfahl mir darüber zu lesen, denn er hätte es bereits getan.
BUMM.
Das war irgendwie wie ein Erwachen. Plötzlich fielen mir Dinge ein, die er gesagt hatte, die genau das bezeugten, dass er sich schon vor langer Zeit darüber schlau gelesen hatte.
Ich war unglaublich beschämt, dass er besser über mich Bescheid wusste als ich selbst. Gleichzeitig war ich überrascht, dass er sich dafür so interessiert hatte, um so etwas zu recherchieren und darauf zu kommen, ist ja nun auch nicht in aller Munde.

Aber das unbeschreiblichste Gefühl war eigentlich, dass es plötzlich eine Erklärung gab für mein Sein. Es erklärte, warum es mich stört, wenn ich auf dem Sofa sitze und er beginnt etwas zu suchen oder dass ich in solchen Momenten es für fast unerträglich störend empfinde, wenn er dann die Türe zuknallt oder sowas. Obwohl das völlig normale Geräusche sind, nichts was jemanden stören würde.
Das ist nur ein klitzekleiner Teil dessen, was sich erklären lässt. Aber vor allem lässt es meine Stimmungsschwankungen erklären, weil bei zu viel Störfaktor meine beste Laune in den Keller fällt. Oder eben andersrum, warum alles furchtbar sein kann für mich und wenn ich dann Ruhe für mich habe, geht es mir relativ schnell wieder besser.
Beziehungsstreit, auch nur die kleinste Form, bringt mich in absolute Schieflage, weil ich mich entweder zu sehr damit identifiziere, was mein Mann sagt und ich mich für schuldig halte oder aber ich beharre auf mein Recht und will es dennoch rückgängig machen, was ich da gesagt oder durchgesetzt habe.

All das und so viel mehr wurde mir in den letzten Wochen erst richtig bewusst und machte mir auch einiges in der Schwangerschaft klarer.
Aber trotz meines Unwissens habe ich mir ja dennoch Werkzeuge geschaffen mit denen ich durch mein Leben kam, denn für mich ist alles, was ich fühle, vollkommen normal. Ich glaube, dass mir das viel durch die Schwangerschaft durch geholfen hat. In meinem Kurs bin ich die entspannteste Schwangere, aber dafür natürlich auch die Unwissendste. Während andere ganz viel über Schwangerschaft, Komplikationen, Geburtsmöglichkeiten und was weiß ich noch lesen und andere befragen, halte ich mich eigentlich ziemlich zurück. Dann und wann google ich mal eine Frage, die sich auftut (ab wann trinkt ein Baby Wasser? - Als ich im Laden vor Fläschchen gestanden bin), aber egal was war bislang, ich hab mich nie verrückt gemacht. Natürlich hatte ich Sorgen, wenn es mir (mental) nicht gut ging, dennoch bin ich dann nicht den Ärzten oder Google auf den Nerv gegangen, so viel hab ich mir dann doch an Körpergefühl zugetraut.

Auch der Perfektionismus (oder vielmehr die Starrhalsigkeit) der Hochsensiblen hat sich bei mir nicht bremsen lassen. Natürlich bin ich in den Urlaub geflogen, das Baby, das ich zur Welt bringe, muss stark genug dafür sein war immer meine Devise. Klingt auch in meinen Ohren hart, aber leider bin ich da wirklich so.
Das zeigt sich ja auch, denn das Baby ist stark. Es zeigt uns täglich, dass es da ist und Aufmerksamkeit möchte. Wir haben schon so viele Stunden mit Staunen und Lachen zugebracht, weil es einfach schon so präsent ist.

So... jetzt bin ich meine Gedanken endlich mal losgeworden, vielleicht hilft es.
Denn gestern war ein ganz furchtbarer Tag - ich war total außer Kontrolle, die kleinste Sache hat mich in die Luft gejagt. Meine Hochachtung an meinen Mann, dass er wirklich den ganzen Tag meine Kritik (also auf Deutsch: mein Gemecker) heroisch auf sich genommen hat und manchmal noch mit einem Lachen quittierte. Er hat es wirklich nicht eskalieren lassen, obwohl ich teilweise echt grundlos bösartig war.

Das ganze gipfelte Gestern vor meinem GVK, als ich in die Stadt fuhr. Hab mitbekommen, dass C&A 50% auf reduzierte Ware gibt - und die Schwangerenabteilung hat ja immer reduzierte Ware :D Das Drama begann mit der Parkplatzsuche in der Stadt. Als ich aufgab und ins Parkhaus fahren wollte konnte ich selbst das nicht ohne noch tausendmal im Viereck zu fahren, weil sie die Verkehrsführung geändert haben. Im letzten Anlauf fand ich also einen Parkplatz. Als ich dann aber im Laden ankam und in die untere Etage fuhr, traf mich fast der Schlag. Ich überlegte, ob ich da nun durchlaufe oder nicht, denn es war VOLL. Sowas hab ich noch nie gesehen, schon gar nicht zu so unkonventioneller Uhrzeit... Hab mir ne Kabine ergattert.. und den Rest dann einfach nur noch bei den Klamotten probiert. Das war wirklich hart. Da war ich dann überfordert und mein Mann bekam die volle Dröhnung am Telefon, als er anrief.

Aber ich hab mich dann auch ganz brav entschuldigt und wir hatten einen sehr schönen Ausklang beim Partnerabend im Kurs. War ziemlich lustig. Mich irritierte auch der Benny, der aussah wie ein ehemaliger Kollege von mir.

Naja, aber so endete dann ein katastrophaler Tag (;
16.2.17 15:15
 
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